Lesenetz Hamburg

Osman, der Angler

Anne Hofmann
ALADIN Verlag
32 Seiten
Fester Einband
978-3-8489-0056-5
Anne Hofmann
Bilderbücher
ab 3

Rezension

(29.08.2013)

Von der Magie des Angelns

Eines Tages taucht Osman in der Stadt auf. Die zwei Möwen, die ihn dabei beobachten und uns von seinem Weg durch die Stadt berichten, haben dabei nichts anderes als FISCH!! im Kopf.
Sie sind so aufgeregt (herrlich dargestellte Charaktere der beiden von Anne Hofmann), ich kann sie beinahe schon kreischen hören.
Osman geht scheinbar unbekümmert von der Aufregung seinen Weg durch eine große, lebendige - orientalisch anmutende - Stadt (ist es Istanbul?). Er schiebt dabei seinen leeren roten Wagen vor sich her.
Sehr zur Freude der beiden Möwen landet er dann wirklich an der Anglerbrücke. Mit großen gierigen Blicken „helfen“ sie ihm beim Angeln - versprechen sie sich doch frischen Fisch. Im Hintergrund ist die große, lebendige Stadt zu sehen, doch die beiden Möwen haben ihren Blick nur auf das Meer und natürlich die Fische gerichtet.
Doch: Die Fische „schwammen ihrer Wege“. Eindrucksvoll mischt Anne Hofmann in ihrem Bild die Größendimensionen von Osmann, den Möwen, die zwar mittig, aber klein auf der Brücke stehen, und in den im Meer schwimmenden Fischen. Groß und von dunklem tiefblauem Meer umspült tauchen sie überall auf der Doppelseite auf.

Weitere Infos

Szenenwechsel: Osman angelt weiter, an „ziemlich ausgefallenen Orten“. Dieses Mal liegt die Stadt im roten, warmen Sonnenlicht zu seinen Füßen. Die eine Möwe liegt neben ihm auf dem Dach, verzweifelt, genervt.
Uns erstaunten Zuschauern erzählen die Möwen, dass sie nicht aufgeben und versuchen, ihn auf die richtige Idee zu bringen. Doch Osman angelt „nichts als Plunder“ (laut der Möwen).
Schließlich wird es Abend in der Stadt. Osmans roter Wagen ist gefüllt und wir sehen erstmals Menschen. Die Möwen begleiten ihn immer noch, doch sie sehen inzwischen recht sauer aus.
Am Ufer setzt sich Osman nieder. In der Ferne sind Fischerboote zu sehen. Doch der Fokus ist bei Osman. Eine kleine Lampe an Osmans Karren taucht ihn und seinen „Plunder“ in zauberhaftes Licht.
Die Möwen sind auf einmal sehr interessiert, eine Art Magie scheint in dieser kleinen Szene vonstatten zu gehen. Osman verwandelte den Plunder. Natürlich nicht im fischigen Sinne der Möwen, aber doch zum Staunen und Entdecken.

Das im Rahmen des Troisdorfer Bilderbuchstipendiums entstandene Bilderbuch von Anne Hofmann ist ein poetisches Märchen über Wünsche und Hoffnungen geworden, in dem Osman aber auch die Stadt ihren ganzen Zauber auf den Betrachter ausüben.
Die farbenfrohen wie aquarelliert wirkenden Bilder geben das Sonnenlicht der Stadt am Bosporus und die Farbe des Meeres (es gibt viel türkis) auf ganz eindrucksvolle Weise wieder. Fischschuppen schillern. Das Wirrwarr der großen, alten Stadt ist zum Teil nur durch Striche angedeutet und macht alles doch umso lebendiger. Osman wirkt wie ein freundlich, stiller Herr. Dazu im Kontrast, die Mimik und Gestenreichen Möwen.

Ein feines, zauberhaftes Buch, in dem das Schmunzeln nicht zu kurz kommt.

Und wie es für die Möwen endet? Warten Sie einfach bis zum Morgengrauen ...

 

Besprochen von:
Heike Roegler

Unsere Expertin für Bilderbücher und Bücher mit Hamburg-Bezug

Es war einmal ein kleines Mädchen, das fand Bücher einfach toll. Selbst als sie noch nicht lesen konnte, hat sie schon im zarten Alter von 2 Jahren in Büchern geblättert und sich an dem Rascheln der Blätter erfreut. Später hat sie dann - als sie schon lesen konnte - viele Bücher verschlungen. Ob ihr Lieblingsbilderbuch „Bi Be Bo Ba Bu, die Igelkinder“, den „Kleinen Wassermann“ oder „Momo“ - sie hatte einfach mit allen Büchern Spaß. Als Erwachsene begleiten sie nun immer noch Bücher. Nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin und ihrem Studium zur Kulturanthropologin (übrigens eine Idee, die sie aus einem Buch bekommen hat) und zur Museumsmanagerin arbeitet sie heute im Hamburger Kinderbuchhaus, im Ide Ehre Leseclub und veranstaltet selbst Werkstätten rund um das Thema Buch.
Sie heißt übrigens Heike Roegler. Und wenn sie nicht in einem Buch steckt, dann versucht sie sich vielleicht gerade an einer Buchapp, auf jeden Fall liest sie noch heute viel.

 

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