Against all dots

Das MOMA –  das Museums of Modern Art (MOMA) in New York City besitzt  zahlreiche Werke von Yayoi Kusama – der weltweit wohl berühmtesten bildenden Künstlerin. In „Eine Welt voller Punkte“ erzählt Sarah Suzuki , die stellvertretende MOMA-Direktorin, in wenigen und einfachen Worten die Lebensgeschichte dieser außergewöhnlichen Frau, die 1929 als Gärtnertochter in der japanischen Provinz geboren wurde und in den 1960er Jahren die New Yorker Kunstwelt mit ihren Happenings und Bildern eroberte. 

Punkte in allen Farben und Materialien –  als Bilder und Skulpturen, als Videos, auf riesigen Kürbissen oder als Lichtinstallationen – stehen seit den ersten Visionen als Zehnjährige im Mittelpunkt von Kusamas Werk, und sie begleiten Suzukis Text und die klaren Illustrationen von Ellen Weinstein. So gelingt eine Künstlerinnenbiografie auf 40 luftigen Seiten, welche die immense Bandbreite von Kusamas Schaffen visuell darstellt. Auch wenn manches unerwähnt bleibt, etwa ihr Kampf gegen doppelte Diskriminierung als Frau und Asiatin in der weißen, männlich dominierten Kunstwelt der USA, oder ihre psychischen Krisen und Extremzustände, die sie 1973 Jahren zur Rückkehr nach Tokio und zur Selbsteinweisung  in eine psychiatrische Einrichtung zwangen, wo sie heute noch lebt – „Ein Leben voller Punkte“  porträtiert Kusamas Leben und Werk auf eine Weise, die sowohl dieser einzigartigen Künstlerin als auch den Kindern gerecht wird, für die dieses Buch gestaltet wurde. Das Buch öffnet Türen in die zeitgenössische Kunst und macht Lust, selbst kreativ zu werden.

Ein Hamburger Gemeinschaftswerk zu einem wichtigen Thema

Das zweite gemeinsame Buch der Elbautor*innen: Mit zwölf informativen, individuellen und berührenden Geschichten, die Kindern und Erwachsenen die wichtigen Kinderrechte nahebringen. Denn, wie Kirsten Boie in ihrem Vorwort schreibt: „Die Kinderrechte sind noch längst nicht überall auf der Welt verwirklicht, nicht anderswo und nicht bei uns. Und bis das der Fall ist, müssen wir alle alles dafür tun, was wir können, dass es geschieht.“ Wunderbar illustriert von Franziska Viviane Zobel. Empfohlen von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur im Extrablatt „Lesen ist wichtig für die Demokratie“.

MIt Texten von: Karin Baron, Brigitte Blobel, Cornelia Franz, Anke Girod, Yvonne Hergane, Cornelia Manikowsky, Katharina Mauder, Annette Mierswa, Jutta Nymphius, Barbara Peters, Marie-Thérèse Schins und Stefanie Taschinski.

Schu schön!

Boris zögert nicht lange, als seine Nachbarin ihn bittet, für eine Zeitlang auf ihr Haustier Babette aufzupassen. Leider wollen seine Eltern keine tierischen Mitbewohner, das hat er wohl kurz vergessen. Daher muss er Babette verstecken. Das ist gar nicht so einfach. Babette hat einen starken Willen. Außerdem kann sie sprechen, mit niedlichem Dialekt. Und was sie für ein Tier ist, weiß man auch nicht genau. Sie steht auf Fernsehen, Flips und Grusel. Boris hat große Schwierigkeiten, Babette artgerecht zu halten, wo soll er denn zum Beispiel eine Geisterbahn herbekommen? Als seine Eltern Babette entdecken und sie ins Tierheim bringen wollen, reißt sie aus. Am Ende finden sie alle die perfekte Lösung für Babette und Boris’ Familie. Boris’ Opa und Babette passen perfekt zueinander und gründen eine Wohngemeinschaft mit Flips, Fernsehen und auch ein bisschen Grusel.

The end of the world as we know it

Die Welt wird sich schon in den kommenden Jahrzehnten stark verändern. Doch wie, liegt zum Teil in unseren Händen. Dieses Buch entwirft auf wimmelbildartigen doppelseitigen Illustrationen 12 völlig unterschiedliche Zukunftsvisionen. Werden wir nur in Raumschiffen überleben können? Kommt eine große Dürre oder doch eher eine Flut? Könnte es vielleicht auch schön werden, zum Beispiel ohne Kriege und Grenzen oder mit Kindern als Entscheidern? Wie wäre das Leben ohne Autos oder mit freien Tieren? Andrea Paluch beschreibt die möglichen zukünftigen Szenarien, im Mittelpunkt steht eine aus drei Generationen bestehende Familie. Die Utopien haben eine reale Basis: An vielen der beschriebenen  Maßnahmen, die uns weiterhin ein Leben auf diesem Planeten ermöglichen werden, wird schon geforscht. Das Buch macht auch Angst – Kinder sollten nicht alleine mit den teils sehr düsteren Dystopien gelassen werden. Die Texte des wichtigen Buches sind knapp. Sie beschreiben nur, statt zu deuten. Wir sollen uns mit den Konsequenzen unseres jeweiligen Handelns selbst außeinander setzen.

Die Eule in Athen

Eine kleine Eule und ihr Großvater reisen zu den berühmtesten Stätten des alten mythologischen Griechenlands. Die alte Eule erläutert ihrem Enkel die Mythen, Sagen und Geschichten rund um Götter, Helden und Ungeheuer. Wir blicken in die Büchse der Pandora, begleiten Jason auf seiner Fahrt mit den Argonauten, folgen der Odyssee und bestaunen das Trojanische Pferd. Von den Kämpfern aus Athen und Sparta, vom Olymp und Göttervater Zeus über Orpheus und Persephone in der Unterwelt – die ganze Welt des klassischen griechischen Altertums wird hier schon für Kinder ab acht Jahren dargestellt, die einzelnen Geschichten eignen sich hervorragend zum Vorlesen. Ein Stammbaum zeigt die Familienzusammenhänge der Helden und Götter und eine Karte vom alten Griechenland erläutert, wo die Geschichten stattfanden.

Ein neuer Fall für die Detektivgruppe mit dem Supernamen

Im zweiten Fall der Gruppe und die drei jungen Detektiv*innen Nils, Evi und Lina geht es um ein Rätsel in den eigenen Reihen: Lina hat kaum mehr Zeit für die Gruppentreffen und ist überhaupt ungewohnt fahrig und unzuverlässig. Auch dem konkurrierenden Detektivclub, den “Zwei Fragezeichen” ist ihr Verhalten schon aufgefallen. Diese beginnen, das syrische Mädchen in ihrer Wohnunterkunft für Geflüchtete zu observieren. Als dann noch das Foto eines unbekannten Jungen in Linas Besitz gefunden wird, mysteriöse rote Kreuze auftauchen und Linas Vater ebenfalls sehr bedrückt wirkt, fangen auch Evi und Nils an, in den eigenen Reihen zu ermitteln. Gut, dass sie gerade einen riesigen verwilderten Garten von einem Freund von Nils’ Opas zur Verfügung haben, um dort in Ruhe kombinieren zu können. Dieser Garten und das dazugehörige Haus entwickeln sich letztendlich als Glück für alle. Neben der durchaus wendungsreichen und spannenden Geschichte erfahren die Leser*innen kindgerecht und beiläufig etwas über den Alltag und die Sorgen Geflüchteter.

Ein Buch so groß wie ein Nationalpark

Wisent Kuba und Eichhörnchen Ula aus dem polnischen Nationalpark Bialowieza besuchen Kubas Cousine, Bison Dakota im Yellowstone Nationalpark in Amerika. Doch danach ist ihre Reise noch nicht beendet, sie führt sie in sieben Nationalparks auf allen Kontinenten der Erde. Dort erleben sie spektakuläre Naturphänomene wie Polarnächte, Permafrost und Vulkane und lernen verschiedene Landschaften kennen. Wir erfahren viel über die Evolution, die Entwicklung der Ökosysteme, die Topographie der Parks, die Jahreszeiten, das Klima. Kuba und Ula begegnen und seltenen Tieren und Pflanzen, Die Parks dienen dazu, diese Artenvielfalt zu erhalten, die der Mensch in vielen Fällen beinahe ausgerottet hat. Neben den fantastischen, detailreichen Illustrationen zu Flora und Fauna ist die Rahmenhandlung des Buches ein Comic um die beiden polnischen Tiere und ihre neuen Freunde, der die wissenschaftlichen Themen schön auflockert.
 

 

 

Erster Fall gelöst

… und ich hoffe, es kommen viele weitere. Wer hatte früher nicht einen Detektivclub oder ähnliches? Ich schon, leider mangelte es an Verbrechern in Kiel-Hassee und so observierten wir den örtlichen Gärtner oder verfolgten wildfremde Leute unauffällig von der Bushaltestelle bis zu deren Wohnungen. Ulf und seiner Crew, das sind noch Tita, Heiko und Otto, geht es nicht anders. Bis ein neues Mädchen, Uli, in ihre Klasse kommt, die ihnen sehr verdächtig vorkommt: Ihre Eltern sehen aus wie Rockstars, sie kauft Unmengen an Alufolie, klaut Müll und isst in der Schulmensa nichts. Die Möchtegerndetektive steigern sich richtig rein in den Fall und ermitteln ganz schön tricky fast rund um die Uhr. Sollte Uli etwa eine Außerirdische sein? Auch wenn die Kriminalitäts- und Außerirdischenrate etwa auf dem von Kiel-Hassee in den 70er Jahren liegen dürfte, schafft es Tanja Esch bis zu den letzten Seiten, das Geheimnis um Uli zu bewahren und die Spannung zu halten und dabei witzige und unverwechselbare Charaktere mit wenigen Strichen zu zeichnen.

Ä Mänafa Mitleid

Schon die Prilblumen auf den Titelseiten beamen uns direkt in die 70er Jahre, in die Kindheit der Illustratorin Anke Kuhl. In vielen Episoden beschreibt sie in Bild und Text eine Welt, die vielen Eltern von Kindern in der Zielgruppe sehr bekannt vorkommen wird. Aber auch Kinder der 2020er Jahre werden sich wiedererkennen in den Geschichten. Es geht um Geschwisterstreit und das große Vertragen danach; die warmherzigen Großeltern und die jahrzehnt-typischen leicht progressiven Eltern; die erste Brille, die einen ganz neuen Blick auf die Welt ermöglicht sowie kleine und große Ängste. Dabei spart Anke Kuhl auch große Dramen wie der schwere Unfall der Mutter oder die Äffäre des Vaters nicht aus. Zum großen Spaß gehören auch die vielen Details der Zeichnungen, das Badezimmerregal der Großeltern oder die Front des Gemüsehändlers haben einen ähnlichen Effekt wie die schon erwähnten Prilblumen. Und wer wissen will, was der Titel dieser Besprechung bedeutet, sollte das Kapitel Gimmi Gimmi Gimmi lesen. Alles klar?