Hört uns zu!

Geschichte kann auf verschiedene Arten erzählt werden, zum Beispiel linear anhand von Jahreszahlen, Menschen, Gebäuden, Kriegen, oder auch ganz abschweifend. In dem vorliegenden Buch werden die 15 bedeutendsten Reden der Geschichte von der Abraham Lincolns zum demokratischen Selbstverständnis der USA in Gettysburgh 1863 bis zu Greta Thunbergs Aufruf, den Klimawandel endlich ernst zu nehmen, auf dem Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos, vorgestellt. Neben den wichtigsten Gedanken der einzelnen Redner*innen werden die Reden in ihrer Ausgestaltung kurz analysiert und in ihrer Wichtigkeit eingeordnet in den Lauf der Welt und ihre politische, gesellschaftliche und historische Bedeutung. Begleitet werden die Auszüge der Reden von kurzen Infotexten und passenden Illustrationen, die die Zusammenhänge verständlich machen. Es lohnt sich manchmal, den Mund aufzumachen.

Und es war Sommer …

Simon ist zum ersten Mal verliebt und traurig, dass er seine Freundin Louise während der laaangen Sommerferien nicht sehen kann, denn beide fahren mit ihren Familien in den Urlaub. Kaum am Urlaubsort angekommen, sieht er, dass Louise ihren Beziehungsstatus auf Facebook zu “Single” geändert hat. Und auch auf seine Nachrichten reagiert sie plötzlich merkwürdig. Simon trampt heimlich ins 500 km entfernte Montpellier, um Louise zu finden und alles zu klären. Unterwegs erlebt Simon jede Menge, z. B. den Verlust seines Portemonnaies und Handys, und lernt die interessantesten Leute kennen. Zur gleichen Zeit in Montpellier hadert Louise mit sich selbst. Will sie wirklich Single sein, wie es auf Druck ihrer Cousine nun bei Facebook steht? Und ist die neue Ferienbekanntschaft Cedric tatsächlich so toll? Eine Liebesgeschichte voller Missverständnisse und Zufälle zwischen zwei Heranwachsenden, erzählt aus beiden Perspektiven und mit Hoffnung auf ein Happy-End. Eine tolle Sommerlektüre!

Ein Leben in schwarz und weiß

Schon früh, in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, war der junge Bobby ein riesiges Schachtalent und interessierte sich für nichts anderes. Bereits mit 14 Jahren wurde er der jüngste US-Schachchampion. Ein Jahr später brach er die Schule ab, um sich ganz dem Schach zu widmen, und errang den Titel eines Großmeisters. Dabei hatte er stets ebenso fanatische Förderer an seiner Seite und konnte so die Bedenken und finanziellen Beschränkungen seiner alleinerziehenden Mutter umgehen. Als er 1972 den amtierenden Schachweltmeister Boris Spasski besiegte, war das gleichzeitig ein Sieg der USA gegen die Sowjetunion auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Bei seinen Partien scheute Fisher vor psychologischer Kriegsführung und Größenwahn nicht zurück. Zunehmend wurde er paranoid und verlor sich in Verschwörungstheorien, die ihn schließlich sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft kosteten. Die Graphic Novel ist im passenden Schwarz-Weiß gehalten, die Kapitel führen jeweils in eine Figur des Schachspiels ein, auch die Panels nehmen die Struktur des Spiels auf. Abgerundet wird das Buch durch ein ausführliches Verzeichnis der Wegbegleiter Bobby Fishers.

 

 

Das Haus der Erinnerung

Die 95-jährige Madeleine ist blind in zweierlei Hinsicht: Sie übersieht die Gefahr, die von der voranschreitenden Erosion an der Steilküste der Normandie, auf der sich ihr Haus befindet, ausgeht – und sie kann tatsächlich nicht sehen. Das hindert sie jedoch nicht daran, auch nach dem Tod ihres Mannes stur an ihrem Zuhause zu hängen und sich nicht vom Bürgermeister oder anderen mehr oder weniger wohlmeinenden Mitmenschen davon überreden zu lassen, es zu verlassen. Notfalls wehrt sich sich auch mit Waffengewalt. Eine gelungenes Portrait einer widerständischen Persönlichkeit, die wohl nicht ganz zufällig an die Bewohner eines kleinen gallischen Dorfes erinnert. Darüber hinaus eine Graphic Novel über die Gefahren des Klimawandels und auch noch eine schöne Dorfsatire.

Keine Macht dem Doping

Der 15-jährige Luka ist ein fanatischer Besketballspieler und kompensiert damit auch seine Außenseiterrolle in der Schule. Als er an einer Basketballakademie aufgenommen wird, ist er zunächst überglücklich. Doch mit der Zeit wächst auch der Druck in der Mannschaft. Wenn Luka seine Leistung nicht steigert, fliegt er aus dem Team. Er beginnt, zu dopen. An die Pillen kommt er ziemlich einfach über zwei Mitschüler. Seine Muskeln wachsen und er spielt immer besser, doch Fairplay und Teamgeist bleiben bei ihm auf der Strecke. Dazu kommen allmählich noch gesundheitliche Probleme wie Schlaflosigkeit und Pickel. Ein Mädchen aus der Akademie und sein bester Freund öffnen ihm nach einem Zusammenbruch schließlich die Augen. Er muss seinen Tablettenmissbrauch allen, auch dem Trainer gegenüber, eingestehen. Das erfordert erstmal Mut, aber danach bekommt er eine zweite Chance.

Im Anhang befindet sich eine Liste mit Punkten, die die Gefahren von Doping aufzählen sowie eine Liste mit Tipps, wie man ohne chemische Hilfe seinen Körper zu besseren Leistungen bringen kann.

 

Das Brüderduell

Das einzige Spiel, das der spätere Weltmeister BRD bei der Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land verliert, ist ausgerechnet gegen die DDR, die erstmals bei einer WM vertreten ist. Ausgehend von diesem historischen Duell kommt es im Buch zum Wiedersehen zweier Brüder nach 12 Jahren. Als Wolfskinder, in diesem Fall als Waisenkinder jüdischer Eltern, die unter der Naziherrschaft ermordet wurden, geraten sie in der Nachkriegszeit in den Dienst der Stasi. Während Konrad als Geheimagent in den Westen geht, wo er 1974 Betreuer der bundesdeutschen Nationalmannschaft wird, ist der jüngere Andreas im Osten geblieben und dort weiterhin für die Stasi aktiv. Als Physiotherapeut begleitet er die Nationalmannschaft der DDR zur WM, vor allem um zu verhindern, dass einer der Stars Republikflucht begeht. Allerdings zweifelt er seit einiger Zeit an der Richtigkeit seines Tuns. Die Brüder freuen sich auf ihr Wiedersehen, haben sie jedoch ideologisch schon weit voneinander entfernt. Im Stil eines spannenede Agentencomics der 70er Jahre gezeichnet, streift die Graphic Novel viele Aspekte der Nachkriegsgeschichte und des Spitzenfußballs in beiden deutschen Staaten.

Im Anhang befindet sich ein Glossar, das die historischen Fakten zur Geschichte liefert. Dort werden u. a. Wolfskinder, die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg, die Fußball in beiden deutschen Staaten sowie die “Aktion Leder” – das Ziel der DDR: Das Ein Sieg muss her, und keiner der DDR-Kicker darf im Westen bleiben. Leider wurde das Literaturverzeichnis für die deutsche Übersetzung des Buches nicht überarbeitet. So finden sich auf dieser viele französiche Werke sowie teilweise veraltete Ausgaben.

Den Mut haben, anders zu sein

Dieses Buch hätte ich gerne als junges Mädchen gelesen – noch besser wenn es dann auch ganz viele Jungs gelesen hätten. Der Roman ist zunächt eine klassische Highschool-Liebes-Coming of Age-Story. Es ist locker und spannend geschrieben, mit Cliffhangern am Ende jedes Kapitels. Kein Wunder, die “Sex and the City”-Autorin Bushnell ist am Drehbuchschreiben geschult. Neben der vordergründigen Geschichte bietet der Roman aber auch eine Einführung in den aktuellen gesellschaftlichen Diskurs der USA. Nach einem komplett unangebrachten Kusses eines beliebten Lehrers ändert sich für die 17-jährige Marin alles. Erstmals bemerkt sie die Ungerechtigkeit der Gesellschaft gegenüber Frauen und schreibt darüber den Artikel “Rules for being a girl” für die Schulzeitung und gründet einen feministischen Buchclub. Nachdem sie sich dazu entschlossen hat, dem Schuldirektor vom übergriffigen Lehrer zu berichten, wird sie überhaupt nicht ernst genommen. Als die Sache gegen ihren Willen publik wird, wird sie auch noch von Schülern und Schülerinnen, selbst ihrer besten Freundin, gemobbt. Doch sie bleibt ihrem Gewissen treu.

Vom Buch im Buch

Lizzy ist mit ihrem Vater und dessen neuer Frau auf eine schottische Insel gezogen, auf der diese das Hotel Ainsley Castle betreiben. Lizzy findet sich mit ihrem neuen Leben dort nur schlecht zurecht. Sie mag ihre Stiefmutter nicht, hat immer öfter das Gefühl, als hätte sie Erinnerungslücken oder seltsame Schwindelanfälle und zunächst kennt sie auch niemanden auf dieser Insel. Dann erhält sie  unheimliche E-Mails: Jemand scheint immer ganz genau zu wissen, was Lizzy gerade macht und denkt. Als dann noch ein Mädchen namens Betty auftaucht, die aussieht wie Lizzy, ist ihr klar, dass etwassehr Seltsames vor sicht geht. Zusammen mit ihrem neuen Freund Mack versuchen die Mädchen, hinter das Rätsel von Ainsley Castle zu kommen. Ohne zu viel zu spoilern: Neben der spannenden Story stellen sich folgende Fragen über uns: Was wäre, wenn jemand anderes über unser Schicksal entscheiden kann? Und zwar im großen Stil, nicht wie Eltern, die über die Schlafenszeiten oder Medienzeiten bestimmen … Darüber hinaus geht es im Buch um Freundschaft und darum, eigene Interessen für andere zurück zu stellen. Dieses Buch gibt darüber hinaus Einblick in die Arbeit einer Autorin: Wie geht sie vor, damit ihre Figuren eine spannende Geschichte erleben? Wie geht sie damit um, wenn diese ein Eigenleben entwickeln? Und weiß sie wirklich alles?
 

Die Geschichte von I 

I lebt mit seinen Freunden L, E und V in einem Flüchtlingslager. Er ist einer von vielen unbegleiteten Flüchtlingen die, ohne Möglichkeit sich auszuweisen, in dem Lager warten, um vielleicht irgendwann ihren Weg weiterzuführen. Essen, Wasser und Liebe ist knapp, doch die Freunde verlieren zum Beispiel durch die vielen imaginären Spiele nicht ihren Mut. Jedoch versuchen die Betreiber des Lagers alles, um den Flüchtlingen das Leben nicht zu einfach zu machen und sie zur Rückkehr zu bewegen.

Authentisch und mit direkter, kindlicher Sprache- so wird einem das Schicksal von I unterbreitet. Durch die Geschichte wird das eigentlich Ziel, diese für die Wächter zu dokumentieren, übertroffen. Auch der Leser bekommt so bildlich vor Augen geführt, wie die Umstände in den Flüchtlingslagern sind und einen so zum Hinschauen zwingt. Gleichzeitig ist die tiefliegende Zuversicht und Hoffnung von I ein Lichtblick in der Geschichte und zeigt, dass man niemals aufgeben darf. Auf dem Buchdeckel beginnt die Geschichte, die einen somit schon vor der ersten Seite in ihren Bann zieht. Ein tolles Buch über Freundschaft und Hoffnung in schwierigen Zeiten, welches zugleich ein gesellschaftlich sehr relevantes Thema auf einzigartige Art und Weise behandelt.

Ostsee ist kein Meer!

Emma und ihre zwei Geschwister müssen mit ihrer Mutter von Dublin zu den unbekannten Großeltern in ein Mecklenburg- Vorpommerisches Dorf ziehen. Keiner der drei war zufrieden mit der Entscheidung, jeder geht anders mit der Situation um. Während die kleine Schwester Aoife in Bleistiftsprache spricht, sprich gar nicht, setzt sich Emma in den Kopf so schnell wie möglich nach Irland zurückzukehren und das Leben dort so gut es geht wieder aufzunehmen. In ihrer Heimweh lernt sie Levin kennen, der sie bei ihrem Plan unterstützt, trotz seiner eigenen familiären Probleme…
Emma trieft vor Heimweh und muss doch Ankommen, fühlt sich nicht wohl und baut sich doch ein neues Leben auf. Die präzise und poetische Sprache des Buches macht es besonders schön zu lesen. Außerdem wird die Mehrsprachigkeit von Emma durch irische Sprichwörter und kulturelle Besonderheiten deutlich. Das Glossar hinten im Buch erklärt diese und auch viele der typischen Mecklenburg- Vorpommerischen Eigenarten. Das Thema des Heimwehs ist auf eine ganz andere Art dargestellt und zeigt, dass Heimat nicht an einen Ort gebunden ist, sondern vor allem durch Menschen entsteht. Sehr zu empfehlen, auch wenn man selber nicht mit Heimweh kämpft! 

Die Mathematik der Liebe

Eine Dreiecksgeschichte unter Mathe-, Physik- und Programmiernerds, eine von Ängsten geplagte leicht autistische Protagonistin sowie die Tochter eines rechten, erzkonservativen Fernsehpredigers, das klingt nicht gerade nach leichter Unterhaltung. Doch der Autorin, die selbst eine außergewöhnliche mathematische Begabung hat, hat mit ihrem Debütroman eine außergewöhnliche Liebesgeschichte mit witzigen Dialogen und schlauen Gedankengängen geschaffen. Evie ist endlich an der berühmten Newton Academy für Mathematik und Naturwissenschaften, wo sie nicht mehr so eine Außenseiterin ist wie bisher in ihrem Leben. Sie  fühlt sich immer besser, auch dank ihres besten Freundes Caleb. Sie ist sogar mutig genug für eine Beziehung mit Leo, der neu an der Schule ist. Sehr zum Leidwesen Calebs. Der ist schon seit Jahren verliebt in Evie, und er beschließt, sie online, als geheimnisvoller Fremder, für sich zu gewinnen. Dieses Jugendbuch ist abwechselnd aus Sicht von Evie und Caleb geschrieben, was uns beim Lesen tief in ihre Gedanken und Gefühle eintauchen lässt.

Der vergessene Torjäger

Die Karriere von Oskar Rohr war beeindruckend: 1932 wurde der FC Bayern mit ihm im Sturm zum erstan Mal deutscher Meister, von 1934 bis 1939 war er sehr erfolgreich mit dem französischen Verein Racing Strasbourg und hält dort bis heute als Torschütze einen Vereinsrekord.  In deutschland ist er trotz seiner Erfolge bisher fast vergessen, diese Graphic Novel ist die erste Biographie über ihn. Vermutlich liegt es daran, dass er in Deutschland bis in die Nachkriegszeit als “Vaterlandsverräter” galt und während der deutsche Okkupation Frankreichs sogar zunächst von den Franzosen verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert wurde, wo er für einige Monate in ein Konzentrationslager kam und dann an der Ostfront kämpfen musste. Dabei wollte er doch eigentlich immer nur Fußball spielen. Das Buch zeigt in getragenen Farben gut ausbalanciert das schwierige Leben eines Fußballers zwischen den Fronten in schwersten Zeiten, skizziert darüber hinaus jüdische Zeitgenossen aus der Fußballwelt wie Walter Bensemann, den Gründer des “Kickers”, Kurt Landauer, legendärer Präsident des FC Bayern München sowie den Trainer Richard Dombi. Eigentlich möchte ich im gleichen Stil auch über dieses Persönlichkeiten eine Graphic Novel.